Erfolgreiche Großübung im Schlossbergtunnel und an Heidelberger Kliniken

Neues Konzept bei Tunnelbränden getestet

Dichter Rauch dringt aus dem Schlossbergtunnel: Nach einem Zusammenstoß eines Autos mit einem Kleintransporter in der Mitte des Tunnels in der Heidelberger Altstadt brennt der Pkw. Im Tunnel befinden sich mehrere Fahrzeuge, in denen verletzte Personen sitzen, sowie ein Bus. Andere Menschen versuchen, aus dem Tunnel zu flüchten. Mehr als 40 Menschen sind verletzt und müssen aus dem Tunnel gerettet werden. Das war das Ausgangsszenario einer großangelegten Übung am Donnerstagabend, 8. Oktober 2026, der Feuerwehr Heidelberg gemeinsam mit Rettungsdiensten, dem Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD), dem St. Josefskrankenhaus Heidelberg und weiteren Hilfsorganisationen.

  • Foto von zwei Männern die in einem Tunnel löschen
    Das Szenario bei der Tunnelübung: Nach einem Zusammenstoß eines Autos mit einem Kleintransporter in der Mitte des Schlossbergtunnels brennt der Pkw – dargestellt über einen Feuersimulator. Die Feuerwehrkräfte rücken vor, um das Feuer zu löschen. (Foto: Samuel Scherer)
  • Foto von Feuerwehrmann der durch einen nebligen Tunnel geht
    Einsatzkräfte der Feuerwehr Heidelberg mussten in dem Szenario zeitnah die Brandstelle in der Mitte des Schlossbergtunnels lokalisieren und ablöschen, um eine weitere Verrauchung des Tunnels und damit eine Gefährdung der Personen im Tunnel zu reduzieren. Andere Kräfte suchten gezielt Fahrzeuge ab, retteten Personen und übergaben diese an den anwesenden Rettungsdienst (Foto: Tobias Dittmer)
  • Bild von Feuerwehrauto mit Mitarbeitenden der Feuerwehr
    Schwerverletzte bei der Übung wurden durch die Feuerwehrkräfte liegend aus dem Schlossbergtunnel transportiert und am Tunnelportal an den Rettungsdienst übergeben. (Foto: Tobias Dittmer)
  • Foto von Mitarbeitenden der Feuerwehr, die in einen Tunnel voll mit Nebel gehen
    Tunnelbrände stellen für die Feuerwehr eine besondere Herausforderung dar: Starke Hitze- und Rauchentwicklung erschweren das schnelle Erreichen der Brandstelle, Fahrzeuge müssen auf Verletzte abgesucht und Personen schnellstmöglich aus dem Tunnel gerettet werden. (Foto: Tobias Dittmer)
  • Foto von zwei Feuerwehrleuten die mit einer Taschenlampe durch den nebeligen Tunnel gehen
    Starke Hitze- und Rauchentwicklung erschweren bei einem Tunnelbrand das schnelle Erreichen der Brandstelle. Bei der Übung wurde die Rauchentwicklung simuliert. (Foto: Samuel Scherer)
  • Foto von einem Krankenwagen mit vielen MItarbeitern
    In weiteren Einsatzverlauf wurden bei der Tunnelbrandübung die „Verletzten“ (Darstellerinnen und Darsteller) erstversorgt, registriert und in das Universitätsklinikum Heidelberg und das St. Josefskrankenhaus Heidelberg gebracht, die sich an der Übung aktiv beteiligten.(Foto: Samuel Scherer)
  • Bein einem Massenanfall von Verletzen werden im Krankenhaus innerhalb kurzer Zeit zusätzliche Behandlungskapazitäten geschaffen, Patientinnen und Patienten nach der Schwere ihrer Verletzungen gesichtet und auf die geeigneten Versorgungsbereiche verteilt werden. Das Bild zeigt die Sichtung eines Betroffenen (dargestellt durch Schauspieler) während der MANV-Übung im Foyer der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikum Heidelberg und die Übergabe des Rettungsdienstes an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik. (foto: Universitätsklinikum Heidelberg)

Feuerwehrkommandant Heiko Holler: „Gut vorbereitet auf möglichen Tunnelbrand“

„In der anspruchsvollen Übung konnten wir unter äußerst realitätsnähen Bedingungen das neue Tunnelbrandkonzept testen, das wir in den vergangenen anderthalb Jahren auch mithilfe von Schulungen bei Experten in der Schweiz aufgebaut haben“, bilanziert Feuerwehrkommandant Heiko Holler, der die Leitung des Einsatzes übernommen hatte: „Das neue Konzept hat sich absolut bewährt: Wir haben gemeinsam mit den weiteren beteiligten Einsatzkräften, Rettungsdiensten und Kliniken bewiesen, dass wir in Heidelberg gut aufgestellt und vorbereitet sind für den Ernstfall eines möglichen Tunnelbrandes. Wir werden die Übung jetzt systematisch auswerten und die Erkenntnisse nutzen, um die Zusammenarbeit an den Schnittstellen zwischen den Einsatzkräften weiter zu verbessern. Mein Dank gilt allen Beteiligten sowie der Übungsvorbereitung bei der Feuerwehr Heidelberg.“

Professor Markus Weigand: „Wertvolle Erkenntnisse für den Ernstfall“

„Nichts bereitet uns besser auf herausfordernde Einsatzlagen vor als praxisnahe Übungen. Besonders beeindruckt hat mich, wie gut Feuerwehr, Rettungsdienste, rnv, Kliniken und alle weiteren beteiligten Einrichtungen bereits in der Vorbereitung zusammengearbeitet haben. Gemeinsam ist es uns gelungen, ein sehr realistisches Übungsszenario zu schaffen, von dem alle Beteiligten wertvolle Erkenntnisse für den Ernstfall mitnehmen können. Mein herzlicher Dank gilt allen, die diese Übung organisiert haben, und insbesondere den vielen Freiwilligen, die sich bis in die späten Abendstunden mit großem Engagement eingebracht haben“, sagt Professor Markus Weigand, Stellvertretender Vorstand Medizin am Standort Heidelberg im Verbund der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim.

Rund 200 Einsatzkräfte der Feuerwehr Heidelberg, des Polizeipräsidiums Mannheim, der Integrierten Leitstelle Heidelberg/Rhein-Neckar-Kreis, des Deutschen Roten Kreuzes, des Malteser Hilfsdienstes, der Johanniter-Unfallhilfe und des Technischen Hilfswerkes (THW) wirkten an der Übung am Schlossbergtunnel mit. Hinzu kamen rund 70 weitere Mitwirkende am Universitätsklinikum Heidelberg und am St. Josefskrankenhaus Heidelberg, zu denen die „Verletzten“ (Übungsdarstellerinnen und Übungsdarsteller) gebracht wurden, des Amtes für Mobilität der Stadt Heidelberg sowie der Rhein-Neckar-Verkehr (rnv) GmbH. Auch Feuerwehrkräfte aus umliegenden Kommunen waren beteiligt, die in das neue Tunnelbrandkonzept ebenfalls eingebunden sind. Der Schlossbergtunnel war für die Übung über mehrere Stunden gesperrt.

Neues Konzept zur Tunnelbrandbekämpfung getestet

Tunnelbrände stellen für die Feuerwehr und für Krankenhäuser eine besondere Herausforderung dar: Starke Hitze- und Rauchentwicklung erschweren das schnelle Erreichen der Brandstelle, Fahrzeuge müssen auf Verletzte abgesucht und Personen schnellstmöglich aus dem Tunnel gerettet werden. In den Krankenhäusern müssen in sehr kurzer Zeit viele Betroffene notfallmedizinisch versorgt werden. Um auf solche Situationen besser vorbereitet zu sein, hat die Feuerwehr Heidelberg ihre Einsatzplanungen umfassend überarbeitet und den aktuellen Einsatztaktiken angepasst. Hierzu wurden auch Einsatzkräfte an der renommierten International Fire Academy im schweizerischen Balsthal theoretisch und vor allem im praktischen Vorgehen in Tunnelanlagen geschult und haben dieses Wissen intern als Multiplikatoren weitergebeben.

Einsatzszenario mit vielen Aufgaben

Bei der Großübung wurden diese Vorarbeiten zusammengeführt und unter einem einsatzrealistischen Szenario beübt: Ein Feuersimulator stellte ein brennendes Fahrzeug dar, leistungsstarke Rauchgeneratoren sorgten für einen realistischen Brandrauch im Tunnel. Übungsdarstellerinnen und -darsteller simulierten flüchtende und verletzte Personen, aber auch Fahrerinnen und Fahrer in Fahrzeugen.

Einsatzkräfte der Feuerwehr mussten in dem Szenario zeitnah die Brandstelle lokalisieren und ablöschen, um eine weitere Verrauchung des Tunnels und damit eine Gefährdung der Personen im Tunnel zu vermeiden. Andere Kräfte suchten gezielt Fahrzeuge ab, retteten Personen und übergaben diese an den anwesenden Rettungsdienst. Hier griff ein weiteres Übungselement, dass die strukturierte Abarbeitung einer Einsatzlage mit einer Vielzahl von Verletzten umfasste. In weiteren Einsatzverlauf wurden die Verletzten erstversorgt, registriert und in das Universitätsklinikum Heidelberg und das St. Josefskrankenhaus Heidelberg gebracht, die sich an der Übung aktiv beteiligten.

Das Universitätsklinikum Heidelberg und das St. Josefskrankenhaus beübten begleitend das Szenario für einen „Massenanfall von Verletzten“, also die notfallmedizinische Versorgung von vielen Betroffenen bei Katastrophenlagen wie einem Tunnelbrand. Für einen solchen Massenanfall von Verletzten (MANV) halten beide Kliniken eigene Alarm- und Einsatzpläne vor. Sie regeln, wie innerhalb kurzer Zeit zusätzliche Behandlungskapazitäten geschaffen, Patientinnen und Patienten nach der Schwere ihrer Verletzungen gesichtet und auf die geeigneten Versorgungsbereiche verteilt werden. Dafür werden unter anderem zusätzliche Teams alarmiert, definierte Behandlungsbereiche aktiviert und die Abläufe innerhalb der Kliniken an die besondere Lage angepasst.
Die Übung diente dazu, diese Strukturen und die Zusammenarbeit mit Rettungsdienst, Feuerwehr und weiteren Beteiligten unter möglichst realistischen Bedingungen zu erproben.

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