Ausgewählte Bestände des Stadtarchivs Heidelberg
Im Folgenden finden Sie ausgewählte Bestände und Sammlungen des Stadtarchivs in Kurzübersichten. Bitte beachten Sie, dass die vorgestellten Bestände nur einen geringen Teil des gesamten Archivguts des Stadtarchivs abbilden. Bei Fragen zu Ihrem Forschungsthema und weiteren Beständen hilft ihnen das Team des Stadtarchivs gerne weiter.
Urkunden
Die rund 1.500 Urkunden des Stadtarchivs nehmen ihren Anfang mit einem Diplom Kaiser Arnolfs aus dem Jahr 897 und reichen bis in das 19. Jahrhundert. Aufgrund der großflächigen Vernichtung der städtischen Registratur in Heidelberg Ende des 17. Jahrhunderts stellen die Urkunden systematisch einen Sammlungsbestand dar, haben aber durch ihre Überlieferungsgeschichte einen engen Bezug zur Heidelberger Geschichte. Sie verteilen sich auf zwei Bestände: Urkunden (U 1, 735 Objekte) und Städtische Urkundensammlung (U 2, 770 Objekte). Die Urkunden der Städtischen Urkundensammlung gehörten ursprünglich zur Geistlichen Güteradministration in Heidelberg, in der die Urkunden der pfalzgräflichen Schirmklöster seit dem 16. Jahrhundert gesammelt waren. In den Jahren um 1800 erwarb Christoph Wilhelm Gatterer (1759-1838) aus den Beständen der Güteradministration hunderte von Urkunden und fügte sie der diplomatischen Sammlung seines Vaters bei. Der Großteil des sog. Gatterer-Apparats gelangte nach dem Tode des jüngeren Gatterers nach Luzern. Durch Ankauf durch das Landesarchiv Speyer kehrte er in den 1990er Jahren in das Oberrheingebiet zurück. Christoph Wilhelm Gatterers hatte indes noch zu Lebzeiten ein mehrere hundert Urkunden umfassendes Urkunden-Konvolut an Charles de Graimberg (1774–1864), den berühmten „Retter des Heidelberger Schlosses“, übergeben. Die Stadt Heidelberg erwarb den Nachlass von Graimbergs Erben im Jahr 1879. Ein Teil des Gatterer-Apparats verblieb somit in Heidelberg, wurde städtisches Eigentum und mit weiteren durch Kauf oder Schenkung erworbenen Urkunden zusammengefasst. Während die Urkunden des heutigen Bestands Städtische Urkundensammlung im Stadtarchiv fast vollständig aus dem Gatterer-Apparat stammen, sind die Provenienzen des Bestands Urkunden noch teilweise ungeklärt. Als Auswahl eines Sammlungsbestands entstammen die Urkunden des Stadtarchivs Heidelberg den Kanzleien unterschiedlicher Schriftgutproduzenten und decken einen weiten geographischen Raum ab. Viele Urkunden rühren von den pfalzgräflichen Schirmklöstern links des Rheins her, daneben findet sich genuines städtisches Registraturgut von Heidelberg wie auch Sammlungsgut exotischer Provenienz, so eine Reihe Lübecker Urkunden. Mittelalterliche Urkunden sind etwas über 100 vorhanden, ab dem 16. Jahrhundert steigt die Zahl sehr stark an; der Großteil der rund 1.500 Urkunden ist in das 17. und 18. Jahrhundert zu datieren.
Handschriften
Die Handschriften (Signatur: H) bilden einen äußerst heterogenen Bestand von ca. 340 Objekten. Zu den ältesten Handschriften zählen ein Teilungsregister der Herren von Ehrenberg aus dem 15. Jahrhundert (H 105), Ottheinrichs Universitätsreform von 1558 (H 110), Akten der Reichsritterschaft (H 113) sowie Brunnenbücher von Heidelberg des 16.–17. Jahrhunderts (H 87b). Daneben befinden sich im Bestand auch Güterrenovationen, Tagebücher, Korrespondenzen. Neben genuinem archivischen Sammlungsgut finden sich im Handschriftenbestand auch zahlreiche Abschriften, Vorarbeiten, Regesten und Materialsammlungen zu Einzelthemen der Heidelberger Stadtgeschichte. Die Handschriften, Autographen (Signatur: HA) stellen einen Teilbestand der Handschriften dar. In ihr sind alphabetisch Korrespondenzen, Handschriftenproben und Unterschriften von bekannten oder berühmten Persönlichkeiten gesammelt, darunter Johann Wolfgang von Goethe und Georg Wilhelm Friedrich Hegel.
Amtsbücher: Ratsprotokolle, Stadtrechnungen, Grundbücher
Die Ratsprotokolle, Stadtrechnungen und Grundbücher bilden die ältesten erhaltenen seriellen Unterlagen im Stadtarchiv. Die Zerstörung von Heidelberg im Orléansschen Krieg 1689/1693 hat zu einem wesentlichen Einschnitt in der städtischen Überlieferung geführt, die Masse des älteren Schriftguts entstammt erst der Zeit nach dem Stadtbrand. Der Heidelberger Stadtrat begann im Jahr 1698 mit der Wiederanlage der Ratsprotokolle. Die Stadtrechnungen und Grundbücher liegen vereinzelt ab 1691 vor und setzen in der dichten Masse ebenfalls mit dem Wiederaufbau der Stadt ein. Eine Ausnahme bildet die Überlieferung der 1743 der Stadt unterstellten Schlossberggemeinde dar, hier reicht das Archivgut bis ins Jahr 1598 zurück. Das Stadtarchiv verwahrt insgesamt über 2.200 Amtsbücher von Heidelberg und den eingemeindeten Vororten. Für Fragestellung hinsichtlich der Stadtplanung und historischen Entwicklung von Heidelberg halten die Ratsprotokolle, Stadtrechnungen und Grundbücher eine dichte Überlieferung bereit. Im Bereich der Grundbücher können sie darüber hinaus bis heute rechtsrelevant sein, beispielsweise für Baulasten.
Abgeschlossenes Verwaltungsschriftgut: Uraltakten, Altakten und Vorortsakten
Die Uraltakten (UA), Altakten (AA) und Vorortakten (VA) umfassen das ältere abgeschlossene Verwaltungsschriftgut der Stadt Heidelberg aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Ihr Ordnungsprinzip ist das Ergebnis einer Neuverzeichnung des Archivguts in den 1940er Jahren. Die Bestände wurden pertinenzmäßig nach Rubriken mit römischen Ziffern – etwa von „I Abgaben an den Staat“ bis „XXX Strafrechtspflege“– geordnet. Dadurch sind rasche Zugriffe auf Sachthemen möglich, allerdings wurden teils auch die Klärung der Provenienzen und Ämterzuordnungen gestört. Die Uraltakten umfassen das Schriftgut bis ca. zum Jahr 1920, die Altakten die Vorgänge bis ca. Anfang der 1970er Jahre. Die Vorortakten umfassen Verwaltungsakten der nach Heidelberg eingemeindeten Orte bis zum Zeitpunkt der Eingemeindung (Neuenheim 1891, Handschuhsheim 1903, Kirchheim und Wieblingen 1920, Rohrbach 1927, Ziegelhausen mit Peterstal 1975). Für Forschungen zur Stadtgeschichte Heidelbergs bis zur neueren Zeit bilden die Uraltakten, Altakten und Vorortakten zentrale Bestände. Die gedruckten Findmittel zu den Beständen stehen auf der Webseite des Stadtarchivs Heidelberg als pdfs mit OCR-Texterkennung zur Nutzung bereit.
Personenstandsunterlagen
Die Personenstandsunterlagen werden seit den Jahren 1870/71 geführt und dem Stadtarchiv laufend vom Standesamt mit folgenden Fristen übergeben: Eheregister und Lebenspartnerschaftsregister 80 Jahre, Geburtenregister 110 Jahre, Sterberegister 30 Jahre. Das Stadtarchiv verwahrt damit (Stand 2026) Eheregister bis zum Jahr 1946, Geburtenregister bis 1916 und Sterberegister bis 1996. Anfragen über Unterlagen jüngeren Datums sind an das Standesamt Heidelberg zu richten. Die Personenstandsunterlagen zählen bei Erbenermittlungen, Staatsangehörigkeitsverfahren und der Familienforschung zu den stark frequentierten Beständen. Bitte benutzen Sie für Anfragen zu den Personenstandsunterlagen den Antrag für personenbezogene Auskünfte.
Meldekarten
Die Meldekarten verzeichnen die in Heidelberg gemeldeten Personen und enthalten zumeist die nach den jeweiligen Meldegesetzen erforderlichen Stammdaten (u. a. Name, Familie, Konfession, Geburtsort und -Datum). Daneben finden sich Angaben zu Familienangehörigen und bisweilen weitere biographische Informationen wie der Todestag. Auf der Rückseite sind meist, aber nicht immer vollständig, die Heidelberger Adressen mit Datum der Anmeldung bzw. des Wegzugs vermerkt. Die Meldekarten liegen in mehreren Karteien ab ca. 1905 bis in die späten 1980er Jahre vor. Die älteste Kartei ist die sog. Ledigenkartei, die jüngste die sog. Stichtagskartei, nach der die jüngeren Meldeunterlagen geführt werden. Für rechtliche Auskunftsersuchen wie für genealogische Fragestellungen über in Heidelberg ansässige Personen können die historischen Meldekarten wichtige Quellen sein. Bitte benutzen Sie für Anfragen zu den Meldekarten den Antrag für personenbezogene Auskünfte.
Bildsammlung
Die Bildsammlung bildet mit ca. 120.000 Fotos eine der umfangreichsten Sammlungen des Stadtarchivs. Zu den ältesten Objekten zählen ca. 1.200 Glasplatten mit Fotografien etwa ab dem Jahr 1860, ab dem Ende des 19. Jahrhundert steigt die Überlieferung sehr stark an. Die Bildsammlung dokumentiert die Geschehnisse in der Stadt und die Entwicklung des Stadtbilds von Heidelberg und seinen Vororten. Neben Abbildungen von Gebäuden, Straßen, Persönlichkeiten und wichtigen Ereignissen bietet sie zahlreiche Einblicke in das Alltagsleben der Stadt. Die Zahl rein digitaler Bilder sowie Digitalisate der Bestände wächst kontinuierlich. Nachlässe von lokal bedeutenden Fotografen (Reichert, Hartschuh, Kresin) und das Bildarchiv des Heidelberger Tageblatts (ca. 1965-1982) ergänzen den städtischen Bildfundus. Auch kleinere Bildabgaben unterschiedlicher Provenienzen sowie Fotografien aus Schriftgutbeständen werden in die Bildsammlung integriert, digitalisiert und verzeichnet. Soweit der Fotobestand digital und verzeichnet vorliegt, kann er in der Bilddatenbank im Lesesaal recherchiert werden. Der analog vorhandene Bestand wird vom Archivpersonal ausgehoben und kann im Lesesaal eingesehen werden.
Karten- und Plansammlung
Die Karten- und Plansammlung nimmt ihren Anfang mit Gemarkungs- und Flurkarten ab dem Ende des 18. Jahrhunderts. Ein Schwerpunkt der früheren Objekte sind Flur- und Forstkarten. Stadtpläne und Stadtentwicklungspläne liegen in dichter Folge ab der Mitte des 19. Jahrhunderts vor. Abgesehen von eher allgemeinen Flurkarten und Stadtplänen gibt es auch speziellere Pläne: Friedhofsbelegungspläne, Pläne zur Verkehrsführung, Bevölkerungsstruktur, Flächennutzungspläne, Bepflanzungspläne zu öffentlichen Plätzen etc. Auch zu einzelnen Gebäuden und Plätzen in Heidelberg und den Vororten bietet die Sammlung Material, etwa zu der Stadthalle, dem Neubau des Hauptbahnhofes, dem Gestaltungswettbewerb für den Kornmarkt oder den verschiedenen Bauten auf dem Heiligenberg. Die Plansammlung speist sich zum größten Teil aus der Überlieferung der städtischen Ämter, enthält aber auch private Pläne, wie zum Beispiel die eigenhändigen Zeichnungen des Heimatforschers Ludwig Merz zu prähistorischen und historischen Befunden. Die Plansammlung umfasst einige Tausend Objekte. Statikunterlagen werden zwar im Stadtarchiv verwahrt und bestehen ebenfalls aus Plänen, aus logistischen Gründen sind sie jedoch als eigener Bestand zusammengefasst und kein Teil der Karten- und Plansammlung. Neben dem Stadtarchiv Heidelberg bewahrt auch das Amt für Baurecht und Denkmalschutz eine große Anzahl von Plänen zu Einzelgebäuden auf.
Nachlässe
Das Stadtarchiv verwahrt eine größere Zahl an Nachlässen (und Vorlässen) von Persönlichkeiten, die mit Heidelberg verbunden waren. Dazu gehören u. a. der Nachlass der Pionierin der sozialen Frauenbildung Maria von Graimberg (1879–1965), der Heimatforscher bzw. Historiker Maximilian Huffschmid (1852–1924) und Ludwig Merz (1908–2003), des Paläoontologen Wilhelm Salomon-Calvi (1868–1941) sowie der Heidelberger Kommunalpolitiker Reinhold Zundel (1930–2008) und Karl Korz (1832–1916). Inhaltlich bieten die Nachlässe erwartungsgemäß ein sehr vielfältiges Spektrum von Korrespondenzen und Manuskripten der jeweiligen Personen. Bisweilen finden sich in den Nachlässen auch echte Überraschungen, wie eine Reihe mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Handschriften im Nachlass des Heimatforschers Karl Christ (1841–1927). Durch Anbietungen an das Stadtarchiv erweitert sich der Bestand der Nachlässe beständig.
Zwangsarbeiterkartei (sog. Ausländerkartei, Fremdarbeiterkartei)
Die sog. Ausländerkartei bzw. Zwangsarbeiterkartei kam auf Befehl des Oberkommandierenden der amerikanischen Besatzungsarmee zustande, wonach alle deutschen Behörden innerhalb der US-Zone über dort wohnhafte ausländische Militär- und Zivilpersonen Bericht zu erstatten hatten. In der Kartei sind Informationen des Einwohnermeldeamtes, des Arbeitsamtes, der AOK, des Finanzamtes, des Ernährungsamtes, der Verwaltung der Kliniken der Universität Heidelberg, einzelner Kliniken der Universität, der Polizeidirektion, des Amtsgerichts, des Sterberegisters sowie von Einzelpersonen wie Ärzten und einzelnen Firmen zusammengeflossen. Für die Erforschung der NS-Zeit in Heidelberg und darüber hinaus bildet der Bestand eine veritable Fundgrube für eine Vielzahl von Fragestellungen. Die Zwangsarbeiterkartei wurde in einem großen Erschließungsprojekt Anfang der 2000er Jahre vollständig erschlossen. Die Datenbank enthält neben den Stammdaten (Name, Vorname, Geburtstag, Religion, Staatsangehörigkeit) auch Angaben zu Unterkünften, Unfällen, Krankheitsverläufen, Gefängnis- und KZ-Aufenthalten und Sterbeursachen. Mit Zusätzen aus anderen Beständen sind in der Datenbank ca. 33.000 Datensätze enthalten. Die Nutzung des Findmittels (Excel-Datei) geschieht aufgrund noch geltender Schutzfristen der Gesamtdatei auf Antrag lokal im Lesesaal des Stadtarchivs.
Bibliothek
Die wissenschaftliche Bibliothek des Stadtarchivs ist eine herausragende Spezialbibliothek zur Geschichte von Heidelberg, Baden und der Kurpfalz mit ca. 45.000 Bänden. Ein substanzieller Teil der Bibliothek ist online im Katalog des Stadtarchivs oder im SWB-Gesamtkatalog recherchierbar. Zu den Besonderheiten zählen 15 Inkunabeln, Juristische Fachliteratur und Verordnungen des 19. und 20. Jahrhunderts sowie Fachbücher aus dem Bereich Elektrizität, Gas, Wasser vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Einen besonderen Teilbestand bildet die Bibliothek des Kurfürst-Friedrich-Gymnasium Heidelberg (KFG), die 2025 dem Stadtarchiv übergeben wurde. Sie umfasst knapp 10.000 Bände und enthält einen historisch wertvollen Altbestand von ca. 850 Titeln aus dem 16.–18. Jahrhundert. Die Heidelberger Adressbücher liegen ab dem Jahr 1839 vor und wurden in einem Gemeinschaftsprojekt mit der Universitätsbibliothek Heidelberg bis zum Jahr 1951 digitalisiert und online gestellt.











